Neue Chancen für Celles Karstadt-Gebäude: Eine Debatte über Zukunft, Wandel und Nachhaltigkeit

20. Februar 2025

Foto: Carsten Maehnert

Die Zukunft des ehemaligen Karstadt-Gebäudes in Celle bewegt die Stadtgesellschaft. Die Initiative „Altstadt Celle neu denken“ lud deshalb zur Podiumsdiskussion unter dem Titel „Neue Chancen für Celles Karstadt-Gebäude“ in den Stadtpalais-Saal ein. Zahlreiche Experten und Interessierte diskutierten über mögliche Nutzungsformen, städtebauliche Konzepte und nachhaltige Alternativen. Die Diskussion zeigte nicht nur die Herausforderungen auf, sondern auch konkrete Visionen für die Umgestaltung und Revitalisierung der Innenstadt.

Ein herausforderndes Erbe

Der Eigentümer Demire AG verwaltet fünf Karstadt-Immobilien, darunter das Celler Gebäude, das sich als besonders schwerer Sanierungsfall erweist. Die Erbpachtregelungen und hohen Sanierungskosten haben dazu geführt, dass sowohl lokale als auch überregionale Investoren Abstand nahmen.

Dennoch konnte der im Rahmen eines Ideenwettbewerbs initiierte kreative Austausch beeindruckende Ergebnisse erzielen: Über 90 Beiträge wurden eingereicht, die von Nutzungskonzepten als Begegnungsorte über hybride Gewerbeformen bis hin zu kulturellen und sozialen Projekten reichten. Rund 3.000 Menschen besuchten die begleitende Ausstellung und bewiesen damit, wie groß das Interesse an einer zukunftsfähigen Lösung ist.

Inspiration aus Oldenburg: Ein Vorbild für Celle?

Ein prominentes Beispiel für erfolgreiche Umnutzung stellte der Architekt Alexis Angelis mit dem „Core Oldenburg“ vor. Dieses Projekt wandelte eine leerstehende Innenstadtimmobilie in eine lebendige Innovationsplattform um, die Einzelhandel, Gastronomie, Büros und Coworking-Flächen miteinander verbindet. Die Erfolgsgeschichte könnte auch für Celle als Modell dienen.

Statt die alte Rolltreppe kostspielig für 40.000 Euro zu entsorgen, entschied man sich für eine unkonventionelle Lösung: Sie wechselte für 4.000 Euro auf eBay den Besitzer – ein Paradebeispiel dafür, wie kreative Ansätze ökologische und wirtschaftliche Vorteile vereinen können.

Foto: Karin Abenhausen

Sanierung oder Abriss? Nachhaltigkeit im Fokus

Dr. Jörg Nigge, Oberbürgermeister von Celle, machte deutlich, dass die Stadt notfalls selbst aktiv werden und das Gebäude erwerben würde. Allerdings stehe der wirtschaftliche Faktor im Vordergrund. Während einige Stimmen in der Diskussion einen Abriss und Neubau bevorzugen, wurde von Experten wie Klaus Füner betont, dass die nachhaltigste Lösung im Erhalt der „grauen Energie“ des Bestandsgebäudes liegt.

Klaus Füner unterstrich, dass 50 % des Ressourcenverbrauchs weltweit auf die Bauwirtschaft entfallen und Recycling alleine nicht ausreicht. Der European Green Deal fordert daher, die Ressourcennutzung vom Wirtschaftswachstum zu entkoppeln. Im Bauwesen bedeutet das, auf Suffizienz, Effizienz und nachhaltige Materialien zu setzen. „Refuse, Rethink, Reduce“ – dieser Ansatz muss auch für das Karstadt-Gebäude gelten.

Was braucht Celle wirklich?

Neben der wirtschaftlichen Frage stand auch die gesellschaftliche Bedeutung des Gebäudes zur Diskussion. Viele Teilnehmer betonten, dass es nicht nur um das Karstadt-Haus, sondern um die gesamte Altstadt als lebendiges Stadtquartier geht. Ideen für eine neue Nutzung reichen von Begegnungsstätten für die Gemeinschaft bis hin zu innovativen Gewerbekonzepten.

Nächste Schritte

Die Diskussion verdeutlichte, dass die Zukunft des Karstadt-Gebäudes ein zentraler Punkt für die Entwicklung der Innenstadt ist. Das Ziel ist, innerhalb der nächsten drei Monate eine Entscheidung der verbliebenen Kaufinteressenten herbeizuführen. Parallel dazu läuft die Ideen-Ausstellung weiter, die bereits große Resonanz in Bremen, Hamburg und Kassel gefunden hat.

Ob Abriss oder Sanierung – die Debatte zeigt: Die Menschen in Celle wollen mitgestalten. Die Innenstadt ist ihr „Wohnzimmer“ und muss gemeinsam neu gedacht werden. Die nächsten Monate werden entscheiden, ob Celle eine mutige, nachhaltige und kreative Lösung findet oder sich wirtschaftlichen Zwängen beugt. Eins ist sicher: Der Wandel ist unvermeidlich – die Frage ist nur, in welche Richtung er gehen wird.

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